Der deutsche Linux-Hersteller TUXEDO Computers zieht einen Schlussstrich: Ubuntu ist künftig nicht mehr die Grundlage von TUXEDO OS. Stattdessen setzt die Distribution auf Debian Testing. Die erste öffentliche Beta steht bereits zum Download bereit.
WAS TUXEDO OS ÜBERHAUPT IST
TUXEDO Computers baut Notebooks und Rechner, auf denen Linux ab Werk läuft — mit funktionierenden Tastaturbeleuchtungen, Lüftersteuerungen und Energieprofilen. TUXEDO OS ist die hauseigene Distribution dafür, bislang mit KDE-Oberfläche auf Ubuntu-Basis.
DER GRUND: UBUNTU LTS IST ZU LANGSAM
TUXEDO nennt zwei Beweggründe.
Erstens das Tempo. Ubuntu-LTS-Versionen erscheinen alle zwei Jahre und frieren ihren Software-Stand dann weitgehend ein. Für ein System, das aktuelle Notebook-Hardware unterstützen soll, ist das ein Problem: Neue Chips brauchen neue Kernel. Ubuntus Nachrüst-Mechanismus für Kernel passte laut TUXEDO nicht zum eigenen Modell aus stabiler Basis und aktueller Oberfläche.
Zweitens die Ausrichtung von Canonical. TUXEDO äußerte sich ausdrücklich kritisch zur KI-Roadmap, die Canonical für kommende Ubuntu-Versionen verfolgt. Das ist ungewöhnlich deutlich für einen Hersteller, der jahrelang auf genau dieser Basis aufgebaut hat.
„CONTINUOUS DEBIAN“ — DER NEUE ANSATZ
Der Plan ist bemerkenswert: TUXEDO will dauerhaft Debian Testing verfolgen. Auch dann, wenn der aktuelle Testing-Zweig irgendwann als Debian 14 stabil wird. Das Unternehmen nennt es Continuous Debian.
Kurz zur Einordnung: Debian Testing ist der Zwischenstand zwischen dem tagesaktuellen Entwicklungszweig und der freigegebenen stabilen Version. Pakete sind deutlich frischer als in Debian Stable, aber bereits eine Weile gereift.
Dazu legt TUXEDO eigene Hardware-Korrekturen auf die Kernel obendrauf — genau das, was die eigenen Geräte zum Laufen braucht.
DER HAKEN: NEU INSTALLIEREN IST PFLICHT
Hier wird es unbequem. Ein zuverlässiger Umstieg im laufenden System ist laut TUXEDO nicht möglich. Wer von der bisherigen Ubuntu-Basis auf die Debian-Variante will, muss sauber neu installieren.
Technisch nachvollziehbar — man tauscht nicht mal eben den kompletten Unterbau eines laufenden Betriebssystems. Für Nutzer bedeutet es trotzdem: Daten sichern, Anwendungsliste notieren, Zeit einplanen.
Für die bestehende Ubuntu-24.04-Basis, die als TUXEDO OS Legacy weiterläuft, will das Unternehmen einen Aktualisierungspfad auf Kubuntu 26.04 anbieten. Wer also lieber im Ubuntu-Lager bleibt, wird nicht stehengelassen.
SOLLTEST DU DIE BETA AUSPROBIEREN?
Das ISO-Abbild gibt es auf der TUXEDO-Website. Aber: Es ist eine Beta. Auf dem Rechner, mit dem du arbeitest, hat sie nichts verloren.
Sinnvoll ist sie, wenn du ein Zweitgerät hast, in einer virtuellen Maschine testen willst oder ohnehin ein TUXEDO-Notebook besitzt und Rückmeldung geben möchtest — genau dafür sind öffentliche Betas da.
EXTRA-TIPP: Wer Debian Testing produktiv nutzt, sollte sich vorher mit dem Prinzip anfreunden: Es ist ein rollendes Ziel. Updates kommen laufend, gelegentlich auch mal ein Paket, das kurzzeitig hakt. Ein funktionierendes Backup ist hier keine Kür.
FAZIT: Ein mutiger Schritt. Debian Testing dauerhaft zu verfolgen und selbst zu härten, ist mehr Arbeit als eine LTS-Basis zu übernehmen. Wenn es aufgeht, bekommen TUXEDO-Kunden dafür deutlich frischere Software bei stabiler Grundlage.