#Linux & Open Source · 4 Min. Lesezeit · Tim Rinkel

TRENNUNG NACH JAHREN! TUXEDO wirft Ubuntu raus — und die Beta läuft schon auf Debian

TRENNUNG NACH JAHREN! TUXEDO wirft Ubuntu raus — und die Beta läuft schon auf Debian

Der deutsche Linux-Hersteller TUXEDO Computers zieht einen Schlussstrich: Ubuntu ist künftig nicht mehr die Grundlage von TUXEDO OS. Stattdessen setzt die Distribution auf Debian Testing. Die erste öffentliche Beta steht bereits zum Download bereit.

WAS TUXEDO OS ÜBERHAUPT IST

TUXEDO Computers baut Notebooks und Rechner, auf denen Linux ab Werk läuft — mit funktionierenden Tastaturbeleuchtungen, Lüftersteuerungen und Energieprofilen. TUXEDO OS ist die hauseigene Distribution dafür, bislang mit KDE-Oberfläche auf Ubuntu-Basis.

DER GRUND: UBUNTU LTS IST ZU LANGSAM

TUXEDO nennt zwei Beweggründe.

Erstens das Tempo. Ubuntu-LTS-Versionen erscheinen alle zwei Jahre und frieren ihren Software-Stand dann weitgehend ein. Für ein System, das aktuelle Notebook-Hardware unterstützen soll, ist das ein Problem: Neue Chips brauchen neue Kernel. Ubuntus Nachrüst-Mechanismus für Kernel passte laut TUXEDO nicht zum eigenen Modell aus stabiler Basis und aktueller Oberfläche.

Zweitens die Ausrichtung von Canonical. TUXEDO äußerte sich ausdrücklich kritisch zur KI-Roadmap, die Canonical für kommende Ubuntu-Versionen verfolgt. Das ist ungewöhnlich deutlich für einen Hersteller, der jahrelang auf genau dieser Basis aufgebaut hat.

„CONTINUOUS DEBIAN“ — DER NEUE ANSATZ

Der Plan ist bemerkenswert: TUXEDO will dauerhaft Debian Testing verfolgen. Auch dann, wenn der aktuelle Testing-Zweig irgendwann als Debian 14 stabil wird. Das Unternehmen nennt es Continuous Debian.

Kurz zur Einordnung: Debian Testing ist der Zwischenstand zwischen dem tagesaktuellen Entwicklungszweig und der freigegebenen stabilen Version. Pakete sind deutlich frischer als in Debian Stable, aber bereits eine Weile gereift.

Dazu legt TUXEDO eigene Hardware-Korrekturen auf die Kernel obendrauf — genau das, was die eigenen Geräte zum Laufen braucht.

DER HAKEN: NEU INSTALLIEREN IST PFLICHT

Hier wird es unbequem. Ein zuverlässiger Umstieg im laufenden System ist laut TUXEDO nicht möglich. Wer von der bisherigen Ubuntu-Basis auf die Debian-Variante will, muss sauber neu installieren.

Technisch nachvollziehbar — man tauscht nicht mal eben den kompletten Unterbau eines laufenden Betriebssystems. Für Nutzer bedeutet es trotzdem: Daten sichern, Anwendungsliste notieren, Zeit einplanen.

Für die bestehende Ubuntu-24.04-Basis, die als TUXEDO OS Legacy weiterläuft, will das Unternehmen einen Aktualisierungspfad auf Kubuntu 26.04 anbieten. Wer also lieber im Ubuntu-Lager bleibt, wird nicht stehengelassen.

SOLLTEST DU DIE BETA AUSPROBIEREN?

Das ISO-Abbild gibt es auf der TUXEDO-Website. Aber: Es ist eine Beta. Auf dem Rechner, mit dem du arbeitest, hat sie nichts verloren.

Sinnvoll ist sie, wenn du ein Zweitgerät hast, in einer virtuellen Maschine testen willst oder ohnehin ein TUXEDO-Notebook besitzt und Rückmeldung geben möchtest — genau dafür sind öffentliche Betas da.

EXTRA-TIPP: Wer Debian Testing produktiv nutzt, sollte sich vorher mit dem Prinzip anfreunden: Es ist ein rollendes Ziel. Updates kommen laufend, gelegentlich auch mal ein Paket, das kurzzeitig hakt. Ein funktionierendes Backup ist hier keine Kür.

FAZIT: Ein mutiger Schritt. Debian Testing dauerhaft zu verfolgen und selbst zu härten, ist mehr Arbeit als eine LTS-Basis zu übernehmen. Wenn es aufgeht, bekommen TUXEDO-Kunden dafür deutlich frischere Software bei stabiler Grundlage.

Häufige Fragen

Warum verlässt TUXEDO Ubuntu?
TUXEDO nennt zwei Gründe. Zum einen passt der zweijährige LTS-Zyklus von Ubuntu schlecht zum eigenen Modell aus stabiler Basis und aktueller Software — die Pakete veralten dazwischen spürbar. Zum anderen äußerte sich das Unternehmen ausdrücklich kritisch zur KI-Ausrichtung, die Canonical für kommende Ubuntu-Versionen verfolgt.
Kann ich mein bestehendes TUXEDO OS einfach umstellen?
Nein. Ein zuverlässiger Wechsel des Unterbaus im laufenden System ist laut TUXEDO nicht machbar. Für die Debian-Variante ist eine Neuinstallation nötig. Sichere vorher deine Daten und notiere dir, welche Programme und Einstellungen du wiederherstellen musst.
Was passiert mit der alten Ubuntu-Version?
Sie läuft als TUXEDO OS Legacy auf Basis von Ubuntu 24.04 weiter. Für diesen Zweig plant TUXEDO einen Aktualisierungspfad auf Kubuntu 26.04. Wer den Wechsel auf Debian nicht mitgehen möchte, steht also nicht ohne Perspektive da.
Ist Debian Testing als Alltagssystem stabil genug?
Debian Testing ist deutlich gereifter als der Entwicklungszweig Unstable, aber weniger vorhersehbar als Debian Stable. Pakete kommen laufend nach, gelegentlich gibt es kurzzeitige Probleme. TUXEDO will das durch eigene Hardware-Korrekturen und Tests abfedern. Ein aktuelles Backup solltest du in jedem Fall haben.

Quellen

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