#Home Automation · 3 Min. Lesezeit · Tim Rinkel

VORSICHT! Deine Überwachungskamera lässt jetzt Fremde mitschauen — zwei Lücken, eine Firmware rettet dich

VORSICHT! Deine Überwachungskamera lässt jetzt Fremde mitschauen — zwei Lücken, eine Firmware rettet dich

Smart-Home-Kameras sollen eigentlich für Sicherheit sorgen — bei der TP-Link Tapo C325WB drehen sich gerade zwei Lücken genau in die andere Richtung. Wer im selben Netzwerk wie die Kamera sitzt, kann sich laut Sicherheitsforschern an der Zugangssperre vorbeischummeln oder den Video-Stream übernehmen.

ZWEI LÜCKEN ÜBER DER KRITISCH-SCHWELLE

Am 9. Oktober 2026 veröffentlichte Lücken betreffen die Außenkamera Tapo C325WB in Version 2. Zwei der drei gemeldeten Probleme liegen mit einem CVSS-Wert von 8,7 deutlich im kritischen Bereich:

  • CVE-2026-105672 — Eine Lücke im JSON-API-Dispatcher der Kamera erlaubt es, die Sitzungsprüfung zu umgehen: Ein Angreifer im selben Netzwerk hängt ein für das Geräte-Onboarding gedachtes Objekt an eine Anfrage an und wird dadurch wie ein bereits angemeldeter Nutzer behandelt.
  • CVE-2026-105674 — Die Kamera erzeugt die Schlüssel für den Video-Stream über einen Zufallszahlengenerator, der sich an der Systemzeit orientiert. Das macht die Schlüssel vorhersagbar — ein Angreifer kann sich so in laufende Übertragungen einklinken.

Eine dritte, schwächere Lücke (CVE-2026-105673, CVSS 7,1) erlaubt zusätzlich einen Denial-of-Service über manipulierte RTSP-Tunnel-Anfragen, mit denen sich der Streaming-Dienst der Kamera zum Absturz bringen lässt.

EINORDNUNG: Kein Angriff über das offene Internet

Bei allen drei Lücken gilt eine wichtige Einschränkung: Der Angreifer muss sich bereits im selben lokalen Netzwerk befinden wie die Kamera — ein Angriff direkt aus dem offenen Internet ist damit nicht ohne Weiteres möglich. Das senkt das Risiko für die meisten Privathaushalte deutlich, bleibt aber relevant für offene oder schlecht abgesicherte WLANs, Gäste-Netzwerke ohne Trennung vom Haupt-Netz oder Umgebungen, in denen bereits ein anderes Gerät kompromittiert wurde und als Sprungbrett dient.

Genau das macht die Lücke für Homelab- und Smart-Home-Nutzer interessant: Wer IoT-Geräte wie Kameras nicht in einem eigenen VLAN isoliert, sondern im selben Netz wie Laptop, Smartphone und NAS betreibt, vergrößert die Angriffsfläche für genau solche „Adjacent Network“-Lücken erheblich.

SO SCHÜTZT DU DEINE KAMERA

TP-Link hat bereits reagiert. Die Firmware-Version V2_1.3.3 Build 260914 schließt alle drei Lücken gleichzeitig. Das Update lässt sich wie gewohnt über die offizielle Tapo-App einspielen:

  • Tapo-App öffnen, die betroffene Kamera auswählen und unter den Geräteeinstellungen nach einem Firmware-Update suchen.
  • Nach der Installation die Versionsnummer gegen V2_1.3.3 Build 260914 gegenprüfen.
  • Zusätzlich empfiehlt sich grundsätzlich, Smart-Home-Geräte in ein eigenes, vom Hauptnetz getrenntes WLAN oder VLAN zu packen — das reduziert das Risiko bei dieser und zukünftigen „Adjacent Network“-Lücken gleich mit.

Häufige Fragen

Welche Geräte sind von den Tapo-Lücken betroffen?
Betroffen ist die Außenkamera TP-Link Tapo C325WB in Version 2, mit Firmware-Versionen vor V2_1.3.3 Build 260914. Andere Tapo-Modelle werden in den aktuellen Advisories nicht genannt.
Muss ich mir sofort Sorgen machen, wenn meine Kamera am Internet hängt?
Die Lücken setzen Zugang zum gleichen lokalen Netzwerk voraus — ein direkter Angriff aus dem offenen Internet ist damit nicht ohne Weiteres möglich. Relevant wird es vor allem bei offenen WLANs, ungetrennten Gäste-Netzen oder wenn bereits ein anderes Gerät im Netzwerk kompromittiert ist.
Wie behebe ich die Lücken konkret?
Öffne die Tapo-App, wähle die betroffene Kamera aus und installiere über die Geräteeinstellungen das Firmware-Update auf Version V2_1.3.3 Build 260914. Diese Version schließt alle drei gemeldeten Schwachstellen gleichzeitig.
Gab es schon aktive Angriffe auf diese Lücken?
Die Advisories vom 9. Oktober 2026 nennen keine bestätigten aktiven Angriffe in freier Wildbahn. Angesichts des hohen CVSS-Werts von 8,7 für zwei der drei Lücken lohnt sich das Update trotzdem zeitnah.

Quellen

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