#Homelab · 4 Min. Lesezeit · Tim Rinkel

ZÄHLER-SPRUNG! Gitea wirft die 1 über Bord — und liefert Bot-Konten gleich mit

ZÄHLER-SPRUNG! Gitea wirft die 1 über Bord — und liefert Bot-Konten gleich mit

Zwanzig Jahre Softwaregeschichte in einer einzigen Versionsnummer: Der selbst gehostete Git-Server Gitea ist am 30. September 2026 direkt von Version 1.27 auf 28.0.0 gesprungen. Das Projekt hat die alte „1.“-Vorsilbe schlicht abgeschnitten — aus 1.28.0 wird 28.0.0. Mehr als Kosmetik ist das trotzdem, denn im Gepäck sind handfeste neue Funktionen.

NEU FÜR ADMINS: Bot-Konten und Lupe für jede Aktion

Die größte Neuerung richtet sich an alle, die Gitea mit mehreren Mitwirkenden oder Automatisierungen betreiben:

  • Audit-Logging protokolliert sicherheitsrelevante Vorgänge und ist in den Admin- und Organisationseinstellungen einsehbar. Standardmäßig ist es ausgeschaltet und muss über [audit] RECORD_OUTPUT = database aktiviert werden.
  • Bot-Konten sind eigene Automatisierungs-Accounts, die sich nur per Token anmelden, sich nicht interaktiv einloggen können und keine Benachrichtigungen erhalten — ideal für CI-Pipelines, die bisher ein normales Nutzerkonto zweckentfremdet haben.
  • Nutzer-Impersonation erlaubt Admins, sich zur Fehlersuche vorübergehend als ein anderes Konto auszugeben. Beide beteiligten Konten landen dabei im Audit-Log.

Dazu kommt eine neue Redis-Konfiguration: Ein zentraler [redis]-Abschnitt legt künftig eine Standard-Verbindung für mehrere Subsysteme gleichzeitig fest, statt sie einzeln zu konfigurieren.

FÜR ENTWICKLER: Tokens, Code-Owner und eine bessere Diff-Ansicht

Auch beim täglichen Arbeiten mit Repositories tut sich einiges:

  • HTTPS-Deploy-Tokens funktionieren wie ein Passwort für Git und LFS über HTTPS, repository-gebunden und wahlweise nur lesend oder lesend-schreibend — das fehlende HTTPS-Gegenstück zu klassischen SSH-Deploy-Keys.
  • Code-Owner-Freigaben blockieren das Mergen eines Pull Requests, bis jede passende CODEOWNERS-Regel ihre Freigabe erteilt hat — nicht nur eine davon.
  • Diff-Filter erlauben Suche und Filterung nach Dateiendung direkt in der Pull-Request-Ansicht.
  • Ein neuer Repository-Umschalter im Kopfbereich macht das Springen zwischen Projekten desselben Besitzers spürbar schneller.

Bei Gitea Actions, dem eingebauten CI/CD-System, gibt es jetzt eine Build-Queue-Ansicht mit laufenden und wartenden Jobs, eine Artefakt-Vorschau direkt im Browser für Text, Bilder, PDFs und HTML sowie Unterstützung für dynamische Matrizen und ein max-parallel-Limit in Workflows.

ACHTUNG! Diese Breaking Changes vor dem Upgrade prüfen

Wer von einer älteren Version kommt, sollte nicht blind aktualisieren. Die wichtigsten Stolperfallen:

  1. Git-Mindestversion: Gitea 28.0 startet erst gar nicht mehr, wenn das zugrunde liegende Git älter als 2.25.0 ist.
  2. Selbstregistrierung: Die öffentliche Konto-Erstellung ist jetzt standardmäßig deaktiviert, sofern nicht explizit [service] DISABLE_REGISTRATION = false gesetzt ist. Wer offene Registrierung erlaubt, sollte das vor dem Upgrade gegenprüfen.
  3. Domain-Konfiguration: Die Einstellung [server] DOMAIN wird ignoriert — die Instanz-Domain leitet sich jetzt aus ROOT_URL ab.
  4. Migrationen und Mirrors laufen künftig über einen internen Proxy mit überarbeiteten Ausgangsregeln; veraltete Konfigurationsoptionen dafür wurden entfernt.
  5. Actions-Verlauf: Abgeschlossene Workflow-Läufe werden standardmäßig nach 400 Tagen gelöscht, einstellbar über RUN_RETENTION_DAYS.

FAZIT: Mehr als eine neue Zahl vorne dran

Der Sprung von 1.x auf 28.0 ist am Ende vor allem Buchhaltung — Gitea zählt jetzt einfach so, wie es intern schon lange zählt. Die eigentliche Nachricht steckt in den neuen Funktionen: Bot-Konten und Audit-Log machen Gitea reifer für Teams, die bisher aus genau diesem Grund zu einer schwereren GitLab-Installation gegriffen haben. Wer upgraden will, sollte sich trotzdem die fünf Minuten für die Breaking-Changes-Liste nehmen — besonders die Git-Mindestversion hat schon so manches Upgrade über Nacht lahmgelegt.

Häufige Fragen

Warum heißt die neue Version 28.0 statt 1.28.0?
Gitea hat mit diesem Release die historische Vorsilbe 1. aus der Versionsnummer entfernt. Technisch und funktional handelt es sich um das, was intern als 1.28.0 geplant war — die neue Zählweise beginnt einfach direkt bei 28.0.0, um die lange gewachsene Versionshistorie klarer abzubilden.
Was bringen die neuen Bot-Konten konkret?
Bot-Konten sind dedizierte Automatisierungs-Accounts, die sich ausschließlich per Token authentifizieren, sich nicht interaktiv einloggen können und keine Benachrichtigungen erhalten. Damit lassen sich CI-Pipelines und andere Automatisierungen sauber von echten Nutzerkonten trennen, statt dafür ein reguläres Konto zu missbrauchen.
Welche Breaking Changes muss ich vor dem Upgrade beachten?
Am wichtigsten ist die neue Mindestanforderung an Git: Gitea 28.0 startet nicht mehr mit einer Git-Version älter als 2.25.0. Zusätzlich ist die Selbstregistrierung jetzt standardmäßig deaktiviert, die Domain-Konfiguration wird aus ROOT_URL abgeleitet statt aus der DOMAIN-Einstellung, und Migrationen laufen über einen neuen internen Proxy mit geänderten Ausgangsregeln.
Muss ich sofort auf Gitea 28.0 aktualisieren?
Nein, es handelt sich um ein reguläres Funktions-Update ohne akuten Sicherheits-Notfall. Wer die neuen Funktionen wie Audit-Log, Bot-Konten oder HTTPS-Deploy-Tokens nutzen möchte, kann in Ruhe upgraden, sollte vorher aber die Git-Version auf dem Server und eine eventuell aktivierte Selbstregistrierung prüfen.

Quellen

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