Zwanzig Jahre Softwaregeschichte in einer einzigen Versionsnummer: Der selbst gehostete Git-Server Gitea ist am 30. September 2026 direkt von Version 1.27 auf 28.0.0 gesprungen. Das Projekt hat die alte „1.“-Vorsilbe schlicht abgeschnitten — aus 1.28.0 wird 28.0.0. Mehr als Kosmetik ist das trotzdem, denn im Gepäck sind handfeste neue Funktionen.
NEU FÜR ADMINS: Bot-Konten und Lupe für jede Aktion
Die größte Neuerung richtet sich an alle, die Gitea mit mehreren Mitwirkenden oder Automatisierungen betreiben:
- Audit-Logging protokolliert sicherheitsrelevante Vorgänge und ist in den Admin- und Organisationseinstellungen einsehbar. Standardmäßig ist es ausgeschaltet und muss über
[audit] RECORD_OUTPUT = databaseaktiviert werden. - Bot-Konten sind eigene Automatisierungs-Accounts, die sich nur per Token anmelden, sich nicht interaktiv einloggen können und keine Benachrichtigungen erhalten — ideal für CI-Pipelines, die bisher ein normales Nutzerkonto zweckentfremdet haben.
- Nutzer-Impersonation erlaubt Admins, sich zur Fehlersuche vorübergehend als ein anderes Konto auszugeben. Beide beteiligten Konten landen dabei im Audit-Log.
Dazu kommt eine neue Redis-Konfiguration: Ein zentraler [redis]-Abschnitt legt künftig eine Standard-Verbindung für mehrere Subsysteme gleichzeitig fest, statt sie einzeln zu konfigurieren.
FÜR ENTWICKLER: Tokens, Code-Owner und eine bessere Diff-Ansicht
Auch beim täglichen Arbeiten mit Repositories tut sich einiges:
- HTTPS-Deploy-Tokens funktionieren wie ein Passwort für Git und LFS über HTTPS, repository-gebunden und wahlweise nur lesend oder lesend-schreibend — das fehlende HTTPS-Gegenstück zu klassischen SSH-Deploy-Keys.
- Code-Owner-Freigaben blockieren das Mergen eines Pull Requests, bis jede passende CODEOWNERS-Regel ihre Freigabe erteilt hat — nicht nur eine davon.
- Diff-Filter erlauben Suche und Filterung nach Dateiendung direkt in der Pull-Request-Ansicht.
- Ein neuer Repository-Umschalter im Kopfbereich macht das Springen zwischen Projekten desselben Besitzers spürbar schneller.
Bei Gitea Actions, dem eingebauten CI/CD-System, gibt es jetzt eine Build-Queue-Ansicht mit laufenden und wartenden Jobs, eine Artefakt-Vorschau direkt im Browser für Text, Bilder, PDFs und HTML sowie Unterstützung für dynamische Matrizen und ein max-parallel-Limit in Workflows.
ACHTUNG! Diese Breaking Changes vor dem Upgrade prüfen
Wer von einer älteren Version kommt, sollte nicht blind aktualisieren. Die wichtigsten Stolperfallen:
- Git-Mindestversion: Gitea 28.0 startet erst gar nicht mehr, wenn das zugrunde liegende Git älter als 2.25.0 ist.
- Selbstregistrierung: Die öffentliche Konto-Erstellung ist jetzt standardmäßig deaktiviert, sofern nicht explizit
[service] DISABLE_REGISTRATION = falsegesetzt ist. Wer offene Registrierung erlaubt, sollte das vor dem Upgrade gegenprüfen. - Domain-Konfiguration: Die Einstellung
[server] DOMAINwird ignoriert — die Instanz-Domain leitet sich jetzt ausROOT_URLab. - Migrationen und Mirrors laufen künftig über einen internen Proxy mit überarbeiteten Ausgangsregeln; veraltete Konfigurationsoptionen dafür wurden entfernt.
- Actions-Verlauf: Abgeschlossene Workflow-Läufe werden standardmäßig nach 400 Tagen gelöscht, einstellbar über
RUN_RETENTION_DAYS.
FAZIT: Mehr als eine neue Zahl vorne dran
Der Sprung von 1.x auf 28.0 ist am Ende vor allem Buchhaltung — Gitea zählt jetzt einfach so, wie es intern schon lange zählt. Die eigentliche Nachricht steckt in den neuen Funktionen: Bot-Konten und Audit-Log machen Gitea reifer für Teams, die bisher aus genau diesem Grund zu einer schwereren GitLab-Installation gegriffen haben. Wer upgraden will, sollte sich trotzdem die fünf Minuten für die Breaking-Changes-Liste nehmen — besonders die Git-Mindestversion hat schon so manches Upgrade über Nacht lahmgelegt.