#Netzwerk & Sicherheit · 4 Min. Lesezeit · Tim Rinkel

ZERO-DAY! Check-Point-Verwaltungsserver seit Juli heimlich gekapert — Notfall-Patch erst jetzt da

ZERO-DAY! Check-Point-Verwaltungsserver seit Juli heimlich gekapert — Notfall-Patch erst jetzt da

Erst patchen, dann warnen — bei CVE-2026-93616 hat Check Point keine andere Wahl gehabt. Die Sicherheitsfirma veröffentlichte am 22. September 2026 gleichzeitig den Notfall-Patch und die Warnung: Die Lücke im Management-Server, dem zentralen Verwaltungsrechner für ganze Firewall-Landschaften, wurde bereits in gezielten Angriffen am 23. Juli ausgenutzt — also fast zwei Monate, bevor Kunden überhaupt von dem Problem erfuhren.

DER FEHLER: Der Server liest den Pfad falsch

CVE-2026-93616 ist eine Pfad-Traversal-Lücke im Webdienst des Security-Management-Servers: Die Software prüft nicht sauber genug, welche Dateien und Ordner eine Anfrage tatsächlich erreichen darf. Ein Angreifer kann dadurch ohne jede Anmeldung ein Skript aus einem beliebigen Pfad ausführen lassen und eine beliebige Java-Klasse nachladen — praktisch ein direkter Weg zur Codeausführung auf der Maschine, die deine komplette Firewall-Flotte steuert. Bewertung: CVSS 9,8, höher geht kaum.

BETROFFEN: Nicht nur ein Produkt

Die Lücke trifft nicht nur einzelne Gateways, sondern die zentrale Schaltstelle: Security Management Server, Multi-Domain Security Management Server, Log Server, Multi-Domain Log Server und SmartEvent. Betroffen sind Versionen von R80 bis R82.20, je nach Version mit unterschiedlichem Jumbo-Hotfix-Stand. Wer eine dieser Komponenten aus dem Internet erreichbar betreibt — was bei Management-Servern eigentlich nie der Fall sein sollte, in der Praxis aber vorkommt —, ist besonders gefährdet.

ZWEITER ALARM: Die Vorab-Warnung von letzter Woche wird jetzt wahr

Im selben Advisory bestätigt Check Point noch etwas anderes: CVE-2026-85102, die VPN-Zertifikatslücke, über die wir am 14. September berichtet hatten, wird jetzt tatsächlich aktiv ausgenutzt. Damals hatte das niederländische NCSC nur präventiv gewarnt, ein öffentlicher Exploit war nicht bekannt. Seit dem 12. September laufen laut Check Point nun echte Angriffswellen gegen Spark-Firewall-Kunden, ausgehend von Anonymisierungs-Infrastruktur wie VPN-Diensten und Proxys. Aus der Vorab-Warnung ist damit eine bestätigte Attacke geworden — zwei Baustellen gleichzeitig für Check-Point-Admins.

SO PATCHST DU RICHTIG

Check Point liefert die Korrektur für CVE-2026-93616 über sk1000171, für CVE-2026-85102 gilt weiterhin sk1000117. Die Reihenfolge ist wichtig: Zuerst den Management-Server patchen, weil er das lohnendere Ziel ist und im Ernstfall den Zugriff auf sämtliche verwalteten Gateways freigibt, danach die einzelnen Gateways selbst. Anschließend lohnt ein Blick in die Logs — neu angelegte Admin-Konten und Änderungen am Regelwerk, die niemand aus dem eigenen Team vorgenommen hat, sind die verräterischsten Spuren eines bereits erfolgreichen Einbruchs. Ein Patch allein zeigt nämlich nicht, ob vor dem Update schon jemand drin war.

Häufige Fragen

Was unterscheidet CVE-2026-93616 von der Lücke aus dem 14.9.-Artikel?
CVE-2026-85102 (damals gemeldet) sitzt in der Zertifikatsprüfung beim VPN-Verbindungsaufbau. CVE-2026-93616 ist eine komplett andere, neue Lücke im Webdienst des Management-Servers — eine Pfad-Traversal, über die sich beliebige Skripte ausführen lassen. Beide erreichen CVSS 9,8, betreffen aber unterschiedliche Komponenten.
Woher weiß man, dass CVE-2026-93616 schon im Juli ausgenutzt wurde?
Check Point selbst bestätigt in seinem Advisory vom 22. September gezielte Angriffe am 23. Juli 2026, nennt aber weder die betroffenen Organisationen noch Details zu den Angreifern oder dem, was nach dem Einbruch passierte.
Ist mein Homelab-Firewall-Setup betroffen?
Nur, wenn du eine Check-Point-Security-Management-Infrastruktur betreibst — das ist im Privatbereich selten der Fall. Für Homelab-Firewalls wie OPNsense oder pfSense gilt diese konkrete Lücke nicht, die Lehre bleibt aber dieselbe: Verwaltungsoberflächen gehören nie offen ins Internet.
Reicht es, nur den Patch einzuspielen?
Nein. Ein Patch schließt die Lücke für die Zukunft, sagt aber nichts darüber aus, ob vor dem Update bereits jemand eingedrungen ist. Check Point empfiehlt deshalb ausdrücklich, Logs auf verdächtige Admin-Konten und Regeländerungen zu prüfen.

Quellen

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