#Künstliche Intelligenz · 4 Min. Lesezeit · Tim Rinkel

HAMMER! Anthropic öffnet Claude jetzt für Hacker-Profis — mit weniger Fesseln als je zuvor

HAMMER! Anthropic öffnet Claude jetzt für Hacker-Profis — mit weniger Fesseln als je zuvor

Wer schon mal versucht hat, Claude nach Exploit-Code oder Angriffstechniken zu fragen, kennt die Bremsen: Das Modell blockt, verweigert, warnt. Für verifizierte Sicherheitsprofis fallen diese Bremsen ab sofort teilweise weg. Anthropic hat am 6. Oktober 2026 sein Cyber Verification Program deutlich ausgebaut — und dabei das bisherige Project Glasswing gleich mit eingegliedert.

DREI STUFEN STATT EINER TÜR

Statt einer einzigen Freigabe gibt es jetzt ein dreistufiges Zugriffsmodell, abgestuft nach Risiko und Einsatzzweck:

  • Defense Access — für defensive Arbeit: Incident Response, Malware-Analyse, Schwachstellenvalidierung in der eigenen Infrastruktur.
  • Red Team Access — zusätzlich für autorisierte Penetrationstests und offensives Red-Teaming bei Kunden mit entsprechendem Auftrag.
  • Specialized Access — die höchste Stufe, gedacht für Sicherheitstests an besonders kritischen Systemen wie Flugverkehrssteuerung, Stromnetzen oder Telekommunikationsinfrastruktur.

Je höher die Stufe, desto weiter reduziert Anthropic die sonst üblichen Blocking-Classifier — also die automatischen Filter, die riskante Anfragen eigentlich abfangen sollen.

PROJECT GLASSWING WIRD EINGEGLIEDERT

Project Glasswing war Anthropics bisheriges Programm, über das ausgewählte Sicherheitspartner Claude zum gezielten Aufspüren von Schwachstellen in kritischer Software einsetzen durften — gestartet im April 2026. Mit der Ankündigung vom 6. Oktober geht dieses Programm nun vollständig im neuen Cyber Verification Program auf. Wer bereits Glasswing-Partner war, wird automatisch auf die neue Specialized-Access-Stufe hochgestuft, ohne sich neu bewerben zu müssen.

DIE ZAHLEN, DIE DEN SCHRITT BEGRÜNDEN

Anthropic nennt in der Ankündigung konkrete Erfolgswerte aus der bisherigen Glasswing-Laufzeit zwischen April und Juli 2026: Partner fanden in dieser Zeit 129.000 verifizierte Schwachstellen. Durch zusätzliches, Anthropic-eigenes Scanning kamen noch einmal 5.500 Schwachstellen hinzu. Von der Gesamtmenge wurden mehr als 33.000 als kritisch oder hochgradig riskant eingestuft. Diese Zahlen liefern die offizielle Begründung dafür, das Programm jetzt zu skalieren, statt es klein und exklusiv zu halten.

WARUM DAS FÜR DIE HOMELAB- UND IT-SZENE RELEVANT IST

Für die breite Masse ändert sich zunächst nichts — die reduzierten Blockaden gelten nur für geprüfte, verifizierte Accounts, nicht für den normalen Claude-Zugang im Browser oder in der App. Relevant wird das Programm vor allem für alle, die beruflich mit Penetrationstests, Incident Response oder Schwachstellenmanagement zu tun haben: Wer sich verifizieren lässt, bekommt ein Werkzeug, das beim Durchsuchen von Code oder Logs nach Angriffsmustern deutlich weniger häufig abblockt als die Standardversion.

Die Kehrseite, die Kritiker sofort ansprechen dürften: Je weiter die Leitplanken fallen, desto größer wird theoretisch auch das Risiko, dass verifizierte Zugänge missbraucht werden — etwa durch gestohlene oder erschlichene Verifizierungen. Anthropic nennt dazu in der Ankündigung keine Details zum Prüfverfahren für neue Bewerber, verweist aber auf ein mehrstufiges Vetting ähnlich dem bisherigen Glasswing-Prozess.

FAZIT: KONSOLIDIERUNG MIT KLAREM KALKÜL

Der Schritt liest sich weniger wie ein spontanes Experiment und mehr wie die logische Konsequenz aus einem Pilotprogramm, das offenbar funktioniert hat — gemessen an den genannten Fundzahlen. Für die Sicherheitsbranche dürfte das dreistufige Modell vor allem eines bedeuten: ein klarerer, planbarer Weg, um an einen leistungsfähigeren Claude für die eigene Verteidigungsarbeit zu kommen, ohne jedes Mal einzeln verhandeln zu müssen.

Häufige Fragen

Was ist das Cyber Verification Program konkret?
Es ist Anthropics Programm, über das verifizierte Sicherheitsfachleute Zugriff auf eine Claude-Version mit deutlich reduzierten Sicherheitsfiltern bekommen. Je nach Einsatzzweck — Verteidigung, autorisierte Angriffstests oder Tests an kritischer Infrastruktur — gibt es drei unterschiedlich weit gefasste Zugriffsstufen.
Was war Project Glasswing, und was passiert jetzt damit?
Project Glasswing war Anthropics seit April 2026 laufendes Pilotprogramm für ausgewählte Sicherheitspartner, die gezielt nach Schwachstellen in kritischer Software suchten. Es geht jetzt komplett im neuen, breiter angelegten Cyber Verification Program auf, bestehende Partner werden automatisch auf die höchste Zugriffsstufe gehoben.
Kann ich mich als normaler Claude-Nutzer für das Programm bewerben?
Das Programm richtet sich an Sicherheitsfachleute mit nachweisbarer beruflicher Tätigkeit in Bereichen wie Incident Response, Penetrationstests oder Schwachstellenmanagement. Eine Verifizierung ist Voraussetzung, Details zum genauen Bewerbungsprozess nennt Anthropic in der Ankündigung nicht vollständig.
Wird mein normaler Claude-Zugang dadurch unsicherer?
Nein. Die reduzierten Sicherheitsfilter gelten ausschließlich für verifizierte Accounts innerhalb des Programms. Der reguläre Claude-Zugang über Web, Desktop oder App behält seine üblichen Sicherheitsleitplanken unverändert.
Welche Zahlen nennt Anthropic zum Erfolg des Vorgängerprogramms?
Zwischen April und Juli 2026 fanden Glasswing-Partner laut Anthropic 129.000 verifizierte Schwachstellen, zusätzliches Anthropic-eigenes Scanning brachte weitere 5.500 Funde. Über 33.000 der insgesamt gemeldeten Schwachstellen wurden als kritisch oder hochgradig riskant eingestuft.

Quellen

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