#Hosting · 4 Min. Lesezeit · Tim Rinkel

ALARM FÜR HOSTER! Angreifer machen dein Backup-Plugin zur Hintertür — patche noch HEUTE

ALARM FÜR HOSTER! Angreifer machen dein Backup-Plugin zur Hintertür — patche noch HEUTE

Ausgerechnet das Werkzeug, das im Notfall retten soll, wird gerade zur Einstiegstür. Acronis warnt: Eine Lücke in den Backup-Erweiterungen für cPanel, WHM und Plesk wird von Angreifern aktiv ausgenutzt. Und die Frist der US-Behörde CISA läuft schon am 19. September ab.

WAS GENAU KAPUTT IST

Die Lücke trägt die Kennung CVE-2026-87886 und hat einen erstaunlich banalen Kern: unsichere Dateirechte. Ein Angreifer, der bereits ein Konto auf dem Server hat — also zum Beispiel ein einzelner Webhosting-Kunde — kann darüber seine Rechte ausweiten. Ohne dass ein Administrator irgendwo klicken muss.

Die CVSS-Wertung liegt bei 7,8. Das klingt nach Mittelfeld, ist es aber in diesem Fall nicht: Der CVSS-Vektor weist die Ausnutzung als niedrig-komplex aus. Im Klartext heißt das: Es braucht keine Sonderbedingungen, keinen Zufall, kein Glück. Wer den Zugang hat, kommt durch.

GEFAHR! Die Angriffe laufen bereits

Acronis schreibt in seinem Sicherheitshinweis (SEC-10986, veröffentlicht am Dienstag), dass die Ausnutzung in freier Wildbahn beobachtet wurde — in begrenzten, gezielten Angriffen gegen Installationen des Acronis Backup Plugin für cPanel & WHM. Für die Plesk-Erweiterung gibt es bislang keine Hinweise auf aktive Angriffe, verwundbar ist sie trotzdem.

Am 16. September hat die US-Cybersicherheitsbehörde CISA die Lücke in ihren Katalog bekannter ausgenutzter Schwachstellen aufgenommen. Die Frist für US-Bundesbehörden endet am 19. September — ein sehr kurzer Zeitraum, der zeigt, wie ernst die Einstufung ist.

Ehrlich bleiben muss man an einer Stelle: Acronis hat bisher nicht offengelegt, was die Angreifer nach der Rechteausweitung auf den Servern tun. Wer dir etwas anderes erzählt, spekuliert.

WER ÜBERHAUPT BETROFFEN IST

Die Acronis-Zusätze verbinden cPanel & WHM beziehungsweise Plesk mit der Acronis-Cloud. Über sie sichern Administratoren Webseiten, Datenbanken und Postfächer und spielen sie zurück. Beliebt ist das vor allem bei Webhostern und Managed-Service-Anbietern, weil sie Backup und Sicherheit unter eigener Marke anbieten können.

Für dich bedeutet das: Betroffen sind nicht nur große Rechenzentren. Auch der kleine Reseller, bei dem dein Vereinsprojekt liegt, kann diese Kombination im Einsatz haben — oft, ohne dass es im Kundenbereich sichtbar ist.

SO RETTEST DU DEINEN SERVER — in 5 MINUTEN

Acronis hat die Sicherheitsupdates bereits in der Vorwoche verteilt. Zu installieren sind:

  • Acronis Backup Plugin für cPanel & WHM: Version 1.9.3 HF3
  • Acronis Backup Extension für Plesk: Version 1.8.11

Die Reihenfolge fürs Wochenende:

  1. Bestandsaufnahme: Läuft die Erweiterung überhaupt? In WHM unter den Acronis-Einträgen nachsehen, bei Plesk in der Erweiterungsverwaltung.
  2. Patchen: Erst die Systeme mit vielen fremden Nutzerkonten — genau dort sitzt der Angreifertyp, für den diese Lücke gemacht ist.
  3. Nachsehen: Neue Konten mit hohen Rechten, veränderte Cron-Einträge, ungewöhnliche Anmeldungen in den Systemprotokollen.
  4. Bei Auffälligkeiten: Zugangsdaten und API-Schlüssel neu setzen. Ein Patch entfernt keinen Angreifer, der schon drin ist.

FAZIT: Backup-Software ist Angriffsfläche

Der Fall reiht sich in ein Muster ein, das wir in diesem Jahr mehrfach gesehen haben: Sicherungswerkzeuge haben von Natur aus tiefe Rechte im System — und sind damit ein lohnendes Ziel. Wer Backup-Software betreibt, sollte sie genauso konsequent aktuell halten wie den Webserver selbst. Und den Rückspieltest nicht vergessen: Eine Sicherung, die nie zurückgespielt wurde, ist nur eine Vermutung.

Häufige Fragen

Welche Versionen sind betroffen?
Betroffen sind das Acronis Backup Plugin für cPanel & WHM und die Acronis Backup Extension für Plesk unter Linux. Abhilfe schaffen die Versionen 1.9.3 HF3 für cPanel & WHM sowie 1.8.11 für Plesk. Die Updates hat Acronis bereits in der Woche vor dem Sicherheitshinweis bereitgestellt.
Wie merke ich, ob mein System verwundbar ist?
Prüfe zuerst, ob die Acronis-Erweiterung überhaupt installiert ist — in WHM über die Acronis-Einträge, in Plesk über die Erweiterungsverwaltung. Steht dort eine ältere Version als 1.9.3 HF3 beziehungsweise 1.8.11, ist das System verwundbar. Bei gemieteten Servern hilft nur die Rückfrage beim Anbieter.
Wie gefährlich ist die Lücke wirklich?
Der CVSS-Wert liegt bei 7,8 und damit unter der Neun-Punkte-Marke. Entscheidend sind hier aber zwei andere Punkte: Die Ausnutzung gilt als niedrig-komplex, und es gibt bestätigte Angriffe. Genau deshalb steht die Lücke seit dem 16. September im CISA-Katalog bekannter ausgenutzter Schwachstellen.
Gab es schon aktive Angriffe?
Ja. Acronis spricht von begrenzten, gezielten Angriffen gegen Installationen des Backup-Plugins für cPanel & WHM. Für Plesk-Installationen gibt es bislang keine Hinweise auf aktive Ausnutzung. Was die Angreifer nach der Rechteausweitung genau tun, hat Acronis bislang nicht öffentlich gemacht.

Quellen

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