Proxmox Backup Server einrichten — Tutorial 2026

Taxonomic-Silence-Plate Nr. 55: ein Orbit-System aus fünf konzentrischen Bahnen mit kleinen Körpern und einem Iron-Oxide-Akzent, symbolisiert die Replikations-Schichten des Proxmox Backup Server.

Hinweis: Dieser Beitrag enthält Affiliate-Links (mit * gekennzeichnet). Kaufst du über einen dieser Links, erhalten wir eine kleine Provision — für dich ändert sich der Preis nicht. Hardware wird vor jeder Empfehlung mindestens vier Wochen im eigenen Homelab getestet.

Backups sind der unspektakulärste, aber wichtigste Teil eines ernsthaften Homelabs. Proxmox VE bringt Backup-Funktionen schon mit Bordmitteln — aber sobald du mehr als zwei oder drei VMs hast, lohnt sich ein dedizierter Proxmox Backup Server (PBS). Er dedupliziert, verschlüsselt, repliziert in andere Standorte und integriert sich nahtlos ins Proxmox-Web-UI. Dieser Guide zeigt dir den kompletten Aufbau von Null bis zur 3-2-1-Strategie.

TL;DR — der Guide auf einen Blick

  • PBS ist eine eigene Linux-Distribution für Backups — getrennt vom Hypervisor, basierend auf Debian.
  • Hardware: Mini-PC oder kleine NAS reicht. Wichtig sind viel Festplatten-Platz und ECC-RAM, wenn ZFS zum Einsatz kommt.
  • Installation: ISO, USB-Stick, Boot, Web-UI öffnen — in 30 Minuten lauffähig.
  • Datastore + Verify-Job + Pruning sind die drei Bausteine eines verlässlichen Backup-Setups.
  • 3-2-1-Strategie: PBS am gleichen Ort, zweiter PBS in anderem Raum, dazu ein Tape oder S3-Bucket für Disaster Recovery.

Warum eigener Backup-Server statt Proxmox-Bordmitteln?

Die in Proxmox VE eingebaute Backup-Funktion sichert in einen lokalen Storage oder ein NFS-Share — das funktioniert, hat aber drei Schwächen: keine Deduplizierung (jedes Backup belegt die volle Größe), keine Inkremental-Erkennung über Snapshots hinweg und keine Replikation in andere Standorte. PBS löst alle drei Themen:

  • Deduplizierung auf Block-Ebene: Bei VMs, die sich kaum verändern, ist nach dem ersten Backup nur ein winziger Bruchteil neuer Daten zu sichern. Spart oft 80-90 % Speicher.
  • Inkrementelle Backups mit dirty-bitmap aus dem laufenden Hypervisor — deutlich schneller als volle Sicherungen.
  • Push-/Pull-Replikation zwischen mehreren PBS-Instanzen über verschlüsselte Verbindungen.
  • S3-Endpoint-Support seit PBS 4.1 — Off-Site-Backup direkt nach AWS, Wasabi oder MinIO.
  • Web-UI für alles: Datastores, Jobs, Restores, Verify-Status.

Hardware-Anforderungen — was du wirklich brauchst

PBS ist erstaunlich genügsam, was die CPU angeht — aber Speicher und I/O sind entscheidend:

KomponenteMinimumEmpfohlen HomelabKMU / Cluster
CPU2 Kerne x86_644 Kerne (Intel N-Serie, Ryzen 5)8+ Kerne
RAM2 GB16 GB (für ZFS)32-64 GB ECC
System-SSD32 GB120-240 GB2× SSD (RAID1)
Backup-StorageHDD ab 1 TB2-4 HDDs in ZFS-Mirror4-8 HDDs RAIDZ2
Netzwerk1 GbE2,5 GbE10 GbE

Für den Homelab-Einstieg eignet sich auch ein älterer Rechner mit ausreichend Platten-Schächten oder eine kleine Synology DS224+ NAS (2-Bay Homelab NAS). Wer es lieber kompakt hat, nimmt einen Mini-PC mit externem Plattengehäuse — siehe unsere Mini-PC-Kaufberatung.

PBS installieren — Schritt für Schritt

Schritt 1: ISO herunterladen und Boot-Stick erstellen

Die offizielle ISO holst du dir bei proxmox.com/downloads. Aktuell ist Version 4.1.x. USB-Stick erstellen geht entweder mit balenaEtcher (grafisch) oder per Kommandozeile:

sudo dd if=proxmox-backup-server_4.1-1.iso of=/dev/sdX bs=4M status=progress conv=fdatasync

Schritt 2: Installation durchklicken

Der Installer ist nahezu identisch mit dem von Proxmox VE. Wichtigster Punkt: Wähle für die System-Disk nicht die Festplatten, auf denen du später Backups ablegen willst — idealerweise eine kleine SSD nur fürs Betriebssystem. Der Backup-Storage kommt im nächsten Schritt dazu.

Beim Filesystem ist ZFS RAID1 für die System-Disk eine sinnvolle Wahl, wenn du zwei kleine SSDs hast — ansonsten reicht ext4 völlig. Nach der Installation und dem Reboot zeigt dir die Konsole die Web-UI-URL (typisch https://192.168.x.y:8007).

Schritt 3: No-Subscription-Repo aktivieren

Wie bei Proxmox VE: Subscription ist optional, aber das Enterprise-Repo wirft ohne Lizenz Fehler. Schnell-Fix in der Shell:

sed -i 's/^deb/#deb/' /etc/apt/sources.list.d/pbs-enterprise.list
echo "deb http://download.proxmox.com/debian/pbs bookworm pbs-no-subscription" \
  > /etc/apt/sources.list.d/pbs-no-subscription.list
apt update && apt full-upgrade -y

Datastore anlegen — wo deine Backups landen

Im Web-UI links unter Datastore → Add Datastore. Wichtigste Felder:

  • Name: kurz und sprechend, z. B. backup-pool.
  • Backing Path: der Mount-Punkt deines Backup-Storage. Bei ZFS empfiehlt sich /backup-pool mit eigenem ZFS-Dataset, damit Snapshots und Quotas getrennt steuerbar sind.
  • GC-Schedule (Garbage Collection): Standard ist täglich um 3 Uhr morgens. Das räumt nicht mehr referenzierte Chunks auf.
  • Prune-Schedule: wann alte Backups verworfen werden. In einer eigenen Konfiguration pro Job sinnvoll.

Im selben Bereich legst du auch Benutzer mit eingeschränkten Rechten an — ein dedizierter backup@pbs-User mit reinen Backup-Rechten ist sicherer als der root-Login.

Erstes Backup einrichten — vom Hypervisor zu PBS

Auf dem Proxmox-VE-Host bindest du PBS jetzt als externen Storage ein:

  1. Datacenter → Storage → Add → Proxmox Backup Server.
  2. Server-IP, Datastore-Name, Username (z. B. backup@pbs) und API-Token eintragen. Der API-Token ist in PBS unter Configuration → Access Control → API Token erstellbar.
  3. Fingerprint des PBS-Servers eintragen — den findest du im PBS-Web-UI unter Dashboard → Server Fingerprint.
  4. Backup-Job einrichten: Datacenter → Backup → Add. Dort Storage-Ziel wählen, VMs auswählen, Zeitplan.

Erste Sicherung manuell anstoßen, einen Restore-Test machen, und du weißt: Es funktioniert.

Verify-Jobs und Pruning richtig planen

Ein Backup ist nur so gut wie sein letzter erfolgreicher Restore-Test. PBS bietet automatische Verify-Jobs, die regelmäßig die Integrität deiner Backup-Daten gegen Hash-Sums prüfen. Faustregel:

  • Verify-Job 1: nach jedem Backup („verify after backup“) — prüft das frische Backup direkt nach Abschluss.
  • Verify-Job 2: wöchentlich ein vollständiger Verify aller Datastores. Findet Bit-Rot, das mit der Zeit auf den Platten entsteht.
  • Restore-Test: einmal im Quartal eine Test-VM auf einem isolierten Test-Cluster wiederherstellen. Nicht der PBS prüft hier, sondern du.

Beim Pruning konkrete Werte aus der Praxis: 7 tägliche, 4 wöchentliche, 6 monatliche, 2 jährliche Sicherungen pro VM. Damit hast du knapp 19 Wiederherstellungs-Punkte und musst trotzdem nicht endlos Speicher horten.

Replikation zwischen zwei PBS-Servern

Sobald dein erster PBS läuft, gehört der zweite ins Setup — idealerweise in einem anderen Raum oder bei Freunden. Die Replikation läuft als Sync-Job zwischen Datastores:

  1. Auf dem Quell-PBS einen Remote-Eintrag für den Ziel-PBS anlegen (Configuration → Remote Servers).
  2. Sync-Job einrichten (Configuration → Sync Jobs): Quell-Datastore, Ziel-Datastore, Schedule.
  3. Bandbreitenlimit setzen, damit der Sync nicht den ganzen Internet-Anschluss frisst — seit Version 4.1 gibt es User-basiertes Traffic Control.
  4. Erster Sync läuft typisch über mehrere Stunden bis Tage (je nach Datenmenge und Bandbreite). Nachfolgende Syncs sind dank Deduplizierung fix.

Off-Site-Backup mit S3 (ab PBS 4.1)

Mit PBS 4.1 ist S3-Endpoint-Support als Tech-Preview reingekommen. Damit kannst du als dritte Backup-Stufe auf einen MinIO-Server, AWS S3, Wasabi oder Backblaze B2 schreiben. So funktioniert es:

  • S3-Bucket erstellen, IAM-User mit reinen Schreib-Rechten anlegen.
  • Im PBS unter Datastore-Konfiguration einen S3-Pfad als Backing-Storage definieren.
  • Verschlüsselung im PBS aktivieren — so liegt im Cloud-Bucket nur verschlüsselter Datenmüll.
  • Sync-Job einrichten, der nach den lokalen Verifies in den S3-Storage repliziert.

Wichtig: S3-Bucket gegen versehentliches Löschen schützen (Versionierung, Object-Lock). Sonst trifft dich ein Crypto-Trojaner-Befall trotz Off-Site-Backup, weil die kompromittierte PBS-Instanz auch das S3 leerräumen kann.

3-2-1-Backup-Strategie konkret aufgesetzt

Mit den oben beschriebenen Bausteinen lässt sich die 3-2-1-Regel sauber umsetzen:

  • Kopie 1 — lokal: PBS am gleichen Standort wie der Hypervisor, idealerweise auf eigener Hardware. Schnellster Wiederherstellungs-Pfad.
  • Kopie 2 — anderer Raum oder Standort: Zweiter PBS, der per Sync-Job vom ersten gespeist wird. Schützt vor Hardware-Defekt am ersten PBS oder lokalem Brand.
  • Kopie 3 — Off-Site / S3 / USB: S3-Bucket bei einem unabhängigen Cloud-Anbieter oder eine Wechsel-Festplatte, die du tatsächlich abziehst und außer Haus aufbewahrst.

Wer keinen S3-Anbieter nutzen will, baut sich ein Backblaze B2– oder Hetzner Object Storage-Konto auf. Beide sind günstig und PBS-kompatibel.

Häufige Fragen

Brauche ich für PBS eine Subscription?

Nein. PBS ist genauso wie Proxmox VE in der Community-Variante komplett kostenlos nutzbar. Die Subscription gibt dir Zugang zum Enterprise-Repo (geprüfte Updates) und Support — an den Funktionen ändert sich nichts.

Kann PBS auch andere Hypervisoren sichern?

Aktuell offiziell nur Proxmox VE. Es gibt Community-Lösungen, die per proxmox-backup-client auch normale Linux-Server oder Windows-VMs sichern — das ist ähnlich wie ein restic-Backup, aber mit Deduplizierung im PBS.

Was kostet ein vollständiges PBS-Setup im Homelab?

Hardware: ein gebrauchter Mini-PC oder Server-PC ab 150 Euro, dazu zwei 4-TB-HDDs für rund 200 Euro — macht in Summe unter 400 Euro. Software: 0 Euro. Strom: 8-15 Watt im Idle, also rund 30-50 Euro pro Jahr. Sehr günstig für die Sicherheit, die du dafür bekommst.

Wie schnell ist ein Restore?

Bei Gigabit-Anbindung (1 GbE): rund 100 MB/s, also 1 GB pro 10 Sekunden. Eine 50-GB-VM ist also in unter 10 Minuten zurück. Bei 10 GbE entsprechend 10x schneller. Disk-Image-Restores in eine bestehende VM sind oft langsamer als Full-VM-Restores, weil dort nur Differenzen geschrieben werden müssen.

Was passiert, wenn der PBS-Server selbst kaputt geht?

Wenn du die 3-2-1-Strategie einhältst, kein Drama: Der zweite PBS oder das S3-Bucket hat alle Daten. Du installierst einen neuen PBS, importierst den Datastore (oder synchronisierst zurück) und kannst restoren. Wichtig: Den PBS-Verschlüsselungs-Key separat sichern (z. B. in deinem Passwort-Manager), sonst sind alle Backups Schrott.

Lohnt sich PBS für nur eine VM?

Wahrscheinlich nicht — bei einer einzigen VM reicht ein einfacher Backup-Job auf eine externe Festplatte. PBS lohnt ab etwa fünf bis zehn VMs, weil sich da die Deduplizierung deutlich auszahlt und der Verwaltungs-Aufwand pro VM minimal wird.

Wie überwache ich den PBS?

PBS bietet integrierte Notifications per E-Mail oder Webhook. Für tieferes Monitoring kannst du den PBS-Prometheus-Exporter aktivieren und in dein Grafana-Setup einbinden — Metriken wie Datastore-Auslastung, Verify-Status und Sync-Job-Dauer sind dann zentral sichtbar.

Wo es weitergeht

Externe Pflichtquellen:

Du planst ein PBS-Setup und hängst an einem Detail? Schreib uns eine Mail an admin@lapalutschi.de.